Die Zuschauerin

Da ich zuhause momentan keine Gelegenheit habe, mich und meine Kleidung zu präsentieren, habe ich mir eine Veranstaltung gesucht, auf der ich genau das tun kann: mich der Welt um mich herum schön verpackt zeigen, ohne dass ich plane, dass jemand mehr als gucken darf.

Aber auch das ist okay, ich kann ganz ich selbst sein und hier sitzen in meinen freizügigen Dessous und eure Neugier in mich aufsaugen. Und während ich den Abend genieße, mit meinem Getränk hier sitze und für jeden, der des Wegs kommt, ein wohlschmeckender Aperitif darstelle.

Fällst du mir auf, du, die nicht wie die anderen weiterzieht, sondern wie gebannt immer wieder unscheinbar deine Augen zu mir wandern lässt? In eine kleine Ecke des Barbereichs verkrochen spüre ich deine Blicke auf mir.

Es erfüllt mich mit Wonne, dass mein Körper und meine Dessous eine so wundervolle Person wie dich zu hypnotisieren vermögen. Sei nicht schüchtern, starre ruhig, sieh meine unbekannte Zuschauerin, nur dir allein widme ich mich.

Ich rekel mich, ändere meine Position und kontrolliere stetig, ob du immer noch zu mir siehst. Du enttäuschst mich nicht, und du wirkst immer fortschreitend begeistert. Ich bestelle in der Zwischenzeit ein neues Getränk, schließlich werde ich wohl noch länger hier sitzen und genießen können, mich zu zeigen.

Meinen Drink in der Hand stehe ich gemächlich auf. Ich trinke daraus, als wolle ich für ein Foto posieren, während mein Körper immer neue Posen nun im Stehen einnimmt, immer mehr Möglichkeiten, mich dir zu zeigen.

Zu gern würde ich hören, wie du aufgeregt schnaubst, bettelst, mich berühren zu dürfen, zu gern würde ich deine Komplimente hören und genießen, wie sehr du mir verfallen bist. Ob du mir diesen Wunsch heute Abend noch erfüllst, weiß ich nicht. Aber ich werde nichts unversucht lassen, mich aus allen Winkeln zu präsentieren.

Als Nächstes kommt mir in den Sinn, ins Bad zu gehen, damit du siehst, wie elegant ich an dir vorbeischreite, fast nah genug, dass du mich berühren könntest, beinahe zum Greifen nah also. Würde dir das gefallen? Ich glaube, mir würde es. Und so setze ich meinen Plan um. Auch wenn der Bedarf gering ausfällt im Bad und ich schnell zurückkehre, so hat es den eigentlichen Zweck erfüllt.

Ich muss zugeben, auch dein Outfit gefällt mir sehr, nicht so freizügig wie meins, jedoch sehr schmuckvoll, passend zu der schönen Frau, die darin gehüllt ist. Sobald du dich traust, deine Wünsche vorzutragen, werde ich dir meinen verraten, denn ich will dich genauso gern mitnehmen und ausziehen.

Trotz des stimmungsvollen Lichts fällt mir beim Hinsetzen auf, dass dein Gesicht gerötet ist. Etwas, das mich innerlich erfreut, etwas, weswegen ich mir ein fröhliches Kichern verkneifen muss. Denn die Verlegenheit macht dich nur umso süßer.

Diesen Reiz kann ich nicht ausschalten. Immer schon gefielen mir die Blicke, doch du, meine Süße, verwöhnst mich. Ich sehe es an deinen Augen. Bist du schon ungeduldig? Wie lange kannst du dem Verlangen widerstehen, auf mich zuzugehen?

Für dich steige ich nach diesem Drink auf Wasser um, schließlich wäre es schade, wenn ich mich nachher nicht mehr daran erinnern könnte, wie wir die Nacht verbringen, während du Drink um Drink zögerst, zu mir zu kommen.

Ob du wohl spüren möchtest, wie sich meine Haut anfühlt, oder die feinen Stoffe, die diese spärlich verdecken? Was soll ich für dich anbehalten und was soll ich ausziehen? Oder möchtest du die sein, die mich auszieht? Ich würde dich gern ausziehen.

Die anderen Gäste, die uns passieren, interessieren mich schon gar nicht mehr. Ich habe nur noch Interesse für dich. Nur dein Blick kann meine Begierde stillen, also wage es nicht, dich abzuwenden.

Ich glaube, auch du weißt es mittlerweile. Schließlich war ich nicht sehr dezent in meinen Signalen und habe dir auch keine ablehnenden Signale gesendet. Daher scheint es mir, dass du forscher und williger mich ansiehst.

Selbst der Barkeeper scheint unserem Verhalten müde zu sein, doch solange du dort sitzt, werde ich hier sitzen. Etwas, das auch bedeutet, dass wir weiter Getränke bestellen, und dafür nimmt man hier gern unser verlegenes Geplänkel in Kauf.

Das leise Gedudel aus der Soundanlage, das in allen anderen Bereichen soviel lauter erschallt, nehme ich zum Anlass, mit meinem Hintern im Takt auf dem Hocker zu wackeln. So langsam frage ich mich, welche Optionen ich noch habe, vielleicht ein Schild, um dir die Bereitschaft zu signalisieren.

Oh, da dämmert es mir: Vielleicht ist es gar nicht so, dass du dich nicht traust. Du spürst, wie bemüht ich bin, willst mich teasen und zu mehr provozieren. Erwartest du, dass ich es letztlich bin, die dich anbettelt?

Falls ja, brauchst du wirklich einen langen Atem. Ich gestehe, dass es schon funktionieren würde. Wenn du das planst, machst du deine Sache sehr gut, aber keine Chance, ich werde dich betören. Du wirst zuerst mich ansprechen.

Schließlich ist mein schön geformtes Hinterteil in der Lage, viele Stunden zu sitzen. Bemüh dich ruhig, aber dieses kleine, süße Spielchen werde ich gewinnen. Aber gräme dich nicht, sobald du bei mir bist und mich anhimmelst, gewinnen wir beide. Ich verspreche dir, die Nacht wird schön.

Endlich kommt Bewegung in die Sache. Du setzt dich mit deinem Getränk an die Bar. Nicht direkt neben mir, aber trotzdem nah genug, dass ich das Klopfen deines Herzens erahnen kann.

War es dir wohl zu stressig, direkt neben mir zu sitzen, während dieses Verlangen in deiner Brust brennt? „Los, komm her und sprich mich an!“, schreie ich dir in Gedanken entgegen, während ich dich süffisant anlächle.

Scheinbar interessieren dich noch andere Blickwinkel als nur die intensive Studie meines Körpers von hinten, und nun ist meine Vorderseite dran. Keine Sorge, ich drehe mich zu dir und zeige mich dir so gut ich kann. Sag mir, wie sehr du mich begehrst.

Du rutschst zu dem Stuhl direkt neben mir und so prominent, wie du starrst, zeige ich mich dir so gut ich kann. Dein Getränk leerst du und scheinst dich darauf vorzubereiten, etwas zu sagen.

Immer wieder wirkt es, als würdest du versuchen anzusetzen, dann blickst du hilfesuchend zum Barkeeper. Aber etwas bestellen wolltest du ja auch nicht. Oh, mein armes, süßes Ding, so verzweifelt und gefangen in der Verlegenheit. Wenn du dich traust, wird dir der Rest des Abends sicher gefallen.

Zumal der Moment keine Fallhöhe für dich bereithält. Schau nur, wie offen ich kommuniziere, dass ich ja sagen werde. Du musst es lediglich probieren, und wir können viel Spaß haben.

Endlich beginnst du, Wörter bilden zu wollen. Gespannt wage ich nicht mehr zu blinzeln, während meine Augen zwischen deinen kleinen Lippen und den strahlend grünen Augen hin- und herhuschen, die ich jetzt erst so richtig erkennen kann, so nah wie du mir bist.

Diese Lippen werde ich heute Nacht wohl küssen, und diese Augen werden nach mir schreien. Ich werde jede Sekunde genießen, denn so wunderschön und süß wie du bist, wäre es eine Tragödie, wenn mir auch nur ein Augenblick entgeht.

Da beginnst du mit: „Entschuldigen Sie die Störung, Sie sind mir aufgefallen, und ich hätte da eine Bitte, die ich an Sie richten möchte.“

Deine formelle Sprache brauchst du doch gar nicht, Liebling, wir sind doch schon weiter, denke ich und sage: „Das Du wäre mir auch genehm, bitte verraten Sie mir Ihre Bitte.“

Ich kann kaum erwarten, sie zu hören und zu bestätigen. Du folgst brav meinen Worten und stellst mir deine Bitte: „Kannst du mir verraten, wo du das Dessous gekauft hast? Das ist total schön, das hätte ich auch gern.“

Etwas perplex nicke ich und suche auf meinem Handy den Artikel im Online-Shop heraus. Du bedankst dich, notierst es dir und verlässt den Barbereich. Resigniert schaue ich dir nach, bezahle meine Getränke und mache mich allein auf den Weg nach Hause.

Genug Enttäuschungen für einen Abend.